Die Tragödie am Brunnenweg (Carl-Legien-Straße)


101 Schinkeler Bürger, vor allem Kinder und Frauen, verlieren bei einem Luftangriff am 13.05.1944 in einen Deckungsgraben am Brunnenweg ihr Leben.


Luftkrieg über Osnabrück

Als Reaktion auf den Angriffs- und Vernichtungskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands in Europa, führten die Alliierten von 1939 bis 1945 Luftangriffe auf das Deutsche Reich durch. Hierdurch sollte die militärische, industrielle und wirtschaftliche Infrastruktur zerstört und der Durchhaltewillen der Zivilbevölkerung gebrochen werden.

Auch Osnabrück wurde während des Zweiten Weltkriegs wiederholt Ziel alliierter Luftangriffe. Die Stadt galt aufgrund ihres Eisenbahnknotenpunkts und mehrerer Industriebetriebe als strategisch bedeutsam. Besonders das östliche Stadtgebiet mit Rangierbahnhof, Bahnanlagen und Industrie im Stadtteil Schinkel lag im Fokus der Angriffe.

Zwischen 1940 und 1945 wurden insgesamt 79 Luftangriffe auf Osnabrück geflogen. Große Teile der Stadt wurden zerstört; am Ende des Krieges waren rund 65 % des Stadtgebiets beschädigt oder zerstört. Über 1.400 Menschen kamen bei den Bombardierungen ums Leben.

 

Der Luftangriff am 13. Mai 1944

Am 13. Mai 1944 griff ein amerikanischer Bomberverband das östliche Stadtgebiet Osnabrücks an.

Gegen 14 Uhr begann der Angriff, der etwa zwanzig Minuten dauerte. Dabei wurden zahlreiche Spreng- und Brandbomben sowie Luftminen abgeworfen.

Ziel waren vor allem Industrie- und Bahnanlagen im Schinkel, darunter die Klöckner-Werke und das Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk. Gleichzeitig wurden auch umliegende Wohngebiete schwer getroffen. Insgesamt starben bei diesem Angriff 239 Menschen, so viele wie bei keinem anderen Luftangriff auf Osnabrück.

Darunter waren auch 49 russische Kriegsgefangene, die in dem Lager an der Schellenbergstraße schutzlos den Bomben ausgeliefert waren.

 

Der Deckungsgraben am Brunnenweg

An der Stelle des Spiel- und Bolzplatzes an der heutigen Carl-Legien-Straße befand sich seit 1943 der öffentlicher Deckungsgraben am Brunnenweg. Die teilweise in den Boden eingelassene Anlage aus gemauerten Wänden und einer Betondecke bot Platz für bis zu 200 Personen und diente der Bevölkerung als Schutzraum bei Luftalarm.

Während des Angriffs am 13. Mai 1944 suchten hier 115 Menschen Schutz. Der Deckungsgraben wurde vermutlich von zwei Sprengbomben getroffen. Die Konstruktion hielt der Wucht der Explosionen nicht stand und brach zusammen. Teile der Decke und der Wände stürzten ein und begruben die Schutzsuchenden unter sich.

101 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter ganze Familien mit Kindern. Viele von ihnen sind auf dem Friedhof Schinkel begraben.

Nur 14 Personen konnten aus dem vollständig zerstörten Deckungsgaben lebend geborgen werden.